Husten 1

weiter

Pferdehusten

Winterzeit - Hustenzeit. Mit ihrem immensen Volumen ist die Lunge des Pferdes eines seiner empfindlichsten Organe. Doch wann ist es wirklich kritisch?
Wie unterscheidet man ein Hüsterchen von einem Husten oder gar einer lebensbedrohlichen Infektion?

cdVet Husten
Gähnendes Pferd

Im Jahr 2002 grasierte in den ostwestfälischen Pferdeställen eine dramatisch verlaufende Infektion. Husten , hohes Fieber - für einige Pferde verlief die Krankheit tödlich. Hätte man diese Leben retten können? Eine Frage, die nicht nur die betroffenen Pferdebesitzer verfolgt.

Husten ist eine regelmäßig wiederkehrende Landplage, die wohl kaum einem Reiter fremd ist. Sie tritt meist zu der ungemütlichen Jahreszeit auf, genau dann, wenn sich Pferde und Reiter angesichts der winterlich nasskalten Wetterlage in Reitanlagen geflüchtet haben. Fast zeitgleich verwandeln sich Stallgassen und Sattelkammern in wahre Krankenhausflure, gefüllt mit Inhalationsgeräten, Tablettendose, Hustenpulver und Kräuterzusatzfutter. Die Nervosität der Pferdebesitzer, sobald das markerschütternde “Bellen” ihrer Vierhufer erklingt, ist tatsächlich nicht unberechtigt. Auch wenn Infektionen der Atemwege nicht zwangsläufig dramatische Wege gehen, wie in den ostwestfälischen Fällen, machen sie den Pferden arg zu schaffen und führen unter Umständen zu zeitweisen oder auch dauernden Nutzungseinbußen. Spätfolgen von Atemwegserkrankungen mit bleibenden Veränderungen in der Lunge zählen heute noch zu den häufigsten Ursachen für ein frühzeitiges equides Rentnerdasein.

Daran erkennen Sie akute Infektionen

Der Husten wirkt wie “angeflogen” Das Pferd leidet zusätzlich unter Fressunlust und Fieber. Innerhalb kurzer Zeit sind mehrere bis alle Pferde eines Bestandes betroffen. Ungeimpfte Pferde erkranken besonders schwer

Bei einer akuten Infektion gilt: unbedingt den Tierarzt rufen und körperliche Belastung vermeiden!

Solche schlimmen Entwicklungen können durch rechtzeitiges Erkennen der Gefahr und die richtigen Gegenmaßnahmen in aller Regel verhindert werden. Wie aber unterscheidet man nun einen harmlosen Husten von einer ernst zu nehmenden Erkrankung?

“Husten” ist zunächst einmal ein Sammelbegriff für ein Symptom, nicht eine spezielle Krankheit. Er kann viele Ursachen haben, wie zum Beispiel eine Allergie oder eine kurzfristige Reizung der Atemwege (z.B. bei Staub). Aber Husten kann auch auf eine akute Erkrankung hindeuten. Pferdefachtierarzt Matthias Meyer-Wilmes aus der Tierklinik für Pferde in Brockhagen meint dazu: “Aufpassen sollten die Pferdebesitzer oder Tierpfleger immer dann, wenn ein Pferd regelmäßig und gehäuft hustet. Ein kurzes Anstoßen bei Belastung ist noch kein ernsthaftes Problem, sollte aber im Auge behalten werden.”

Zusätzliche Alarmsignale sind Nasenausfluß, Störungen des Allgemeinbefindens (z.B. Freßunlust) und Fieber. Diese zusätzlichen Symptome weisen auf eine akute Erkrankung wie z.B. Influenza oder gar Lungenentzündung hin. Die Diagnose “Husten” sollte also in jedem Fall hinterfragt werden, damit er effektiv behandelt werden kann. Dazu gehört auch zu wissen, wann der Husten auftritt.

Hustet das Pferd bei Kontakt mit Futter, vor allem Heu, und hat es kein Fieber, könnte es sich lediglich um eine Heustauballergie handeln. In diesem Fall würde es möglicherweise ausreichen, das Lebensumfeld des Pferdes zu ändern (viel frische Luft und Weidegang) und beispielsweise das Heu anzufeuchten oder eher Silage zu füttern. Vor Infektionen dagegen kann man Pferde nur begrenzt schützen. Sie verbreiten sich über Krankheitserreger, Viren und Bakterien. Diese unsichtbaren Plagegeister vermehren sich in rasender Geschwindigkeit, und manchmal bedienen sie sich sogar des Menschen als Überträger. Doch gerade Infektionen mit Viren belasten den Organismus des Pferdes stark und neigen zu gefährliche Eskalationen mit Sekundärinfektion (z.B. Lungenentzündung, rheumathisches Fieber).

cdVet Husten
Pferde auf der Winterweide

Offenstallpferde sind widerstandsfähiger gegen jede Art von Infektionskrankheiten.
Wenn es im Stall staubt, sind die Pferde auf der Weide am besten aufgehoben.

Infektionen erkennen und richtig reagieren

Wie kann man nun eine Viruserkrankung von einem chronischen oder allergischen Husten unterscheiden? Im Gegensatz zu allergischem Husten tritt eine Husteninfektion meistens spontan und seuchenhaft auf. Der Husten wirkt wie angeflogen. Er kommt ohne große Vorwarnung. Einige der Erkrankungen weisen eine Inkubationszeit (Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit) von weniger als einem Tag auf. Auffallend ist außerdem, daß fast immer mehrere bis alle Pferde eines Bestandes betroffen sind; teilweise grassiert eine bestimmte Infektion in ganzen Landstrichen. Man kann ihren Ansteckungsweg durch die Reitställe richtiggehend verfolgen. Die vier bekanntesten Übeltäter bei Atemwegserkrankungen sind:

  • Influenzavirus A-equi 1 und A-equi 2
  • Equiner Herpesvirus der Typen 1, 2 und 4
  • Säugerreoviren der Typen 1, 2 und 3
  • Equine Rhinoviren der Typen 1 und 2

Dabei schlagen vor allem die Influenza- und Herpesviren besonders häufig und heftig zu. Hat sich der Erreger erst einmal in einem Stall eingenistet, ist ihm so leicht nicht mehr beizukommen. Innerhalb kürzester Zeit bekommen die Pferde hohes Fieber mit Temperaturen bis zu 42°C. Besonders heftig ist der Verlauf von Influenza. Die anderen Infektionen äußern sich etwas milder mit Fieber um die 38°C, häufig Nasenausfluß, kurzzeitigem Husten und gestörtem Freßverhalten. Die Krankheit kann sich dabei sowohl im oberen Kehlkopfbereich (Nasenhöhle, Kehlkopf, Rachenraum) als auch im untern Bereich (Luftröhre, Bronchien, Lunge) abspielen, wobei die tiefer sitzenden Infektionen meist zu mehr Sorge Anlass geben.

Reiten im Winter

Darf man ein Pferd reiten, wenn es hustet?

Sobald das Pferd fieberfrei ist und die Störungen des Allgemeinbefinden abgeklungen sind, kann ein Pferd durchaus ruhig an der frischen Luft bewegt werden. Dabei fängt man mit Spaziergängen an und steigert sie bis hin zu ruhigen Ausritten. Belastungstraining sollte man allerdings erst dann wieder aufnehmen, wenn das Pferd wirklich hustenfrei ist.

Eine Schutzimpfung hilft

Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Schutzimpfung. Sie ist die wirkungsvollste Möglichkeit, ein Pferd gegen die Attacken der heimtückischen Hustenerreger zu schützen. Eine Impfung aktiviert die natürlichen Abwehrmechanismen. Sie versetzt den Körper sozusagen in einen Alarmzustand, der es ihm ermöglicht, rasch zu reagieren und die Viren daran zu hindern, den Körper zu überschwemmen und zu schädigen. Bei den Impfstoffen unterscheidet man “Lebendimpfstoff”, der eine abgeschwächte Form des Virus enthält, und “Totimpfstoff”, bei dem ein abgetötetes, nicht mehr vermehrungsfähiges Präparat benutzt wird. In beiden Fällen soll die Konfrontation des Körpers mit dem mutmaßlichen Aggressor dazu führen, sich gegen eine heftige Attacke zu rüsten, indem Abwehrkörper erzeugt werden, auf die im Falle eines Falles zurückgegriffen werden kann. Die Grundimmunisierung gegen Influenza soll ab dem 4. Lebensmonat erfolgen, also bereits noch im Züchterstall angegangen werden. Danach ist zirka alle 9-12 Monate eine Auffrischung nötig. Grundimmunisierung und Auffrischimpfungen müssen im Pferdepass vermerkt sein.

Macht kalte Luft krank?

Pferde sind von Natur aus Steppenbewohner und keine Höhlentiere. Ihr Atmungssystem ist darauf abgestimmt, viel frische Luft aufzunehmen. Kalte Luft kann ihnen nicht schaden, weil sie in den oberen Luftwegen vorgewärmt wird. Ganz im Gegenteil: Pferde, die im Herbst oder Winter regelmäßig und ruhig draußen geritten werden, bleiben gesünder. Ausschließliche Stallhaltung dagegen, womöglich kombiniert mit reiner Hallennutzung, erhöht das Risiko für Atemwegserkrankungen!

Was tun, wenn´s nicht aufhört?

Ist die akute Erkrankung abgeklungen und hat das Pferd kein Fieber mehr, sollte an sich auch der Husten aufhören. Tut er das nicht, sondern hält er länger als vier Wochen an, obwohl medikamentös behandelt wird, sollte man den Weg in eine Tierklinik nicht scheuen. In den seltensten Fällen hat nämlich der Haustierarzt die aufwändigen Apparate und Labors, die notwendig sind, um die Ursachen für hartnäckige Hustenerkrankungen korrekt zu erkennen.

Zu dieser weitreichenden Diagnostik zählen in aller Regel die Endos- oder die Bronchoskopie sowie Blutgasanalyse. Sie geben dem Tierarzt Auskunft über Verschleimungsgrad, eine Verengung der Luftwege und mögliche organische Schäden an der Lunge. Die genaue Diagnostik ist notwendig, damit nun ganz gezielt die Symptomatik behandelt werden kann. Die Bekämpfung von verschlepptem Husten ist leider eine langwierige, zeit- und kostenaufwändige Sache. Sie sollte vor allem unterstützt werden durch eine gesunde, artgerechte Haltung mit viel frischer Luft (kein Reiten in der Halle, staubfreie Einstreu, Offenstallhaltung).

Text: Alexandra Stuperich, Pegasus 12/2003, Bilder: Scherger, Koller, Stuewer

Hustendes Pferd
Offenstallpferde im Winter

Pferd 1   -   Pferd 2   -   Pferd 3   -   Pferd 4   -   Pferd 5   -   Gesundheit  

Husten 1   -   Husten 2   -   Hufrehe   -   Parasiten   -   Ekzem/Allergie

back_banner_unten

Impressum

Haustiere

Kräuter

Bachblüten

Geschichten

Monika Scherger
Kapellenweg 4
886488 Breitenthal
info{a}fitmenue-haustier.de
www.fitmenue-haustier.de
Bildnachweise

nach oben