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Vitaminfibel

Vitamine sind lebensnotwendige organische Verbindungen. Sie helfen, Energie aus der Nahrung freizusetzten und sind an Stoffwechselprozessen beteiligt. Gesundheit und Leistungsfähigkeit stehen in direktem Zusammenhang mit der ausreichenden und richtigen Versorgung mit Vitaminen. Dabei erfüllt jedes einzelne Vitamin spezielle, unersetzbare Aufgaben.

Die in der Pferdefütterung relevanten 14 Vitamine werden in fettlösliche (A, D, E, und K) sowie in wasserlösliche Vitamine (der B-Komplex und Vitamin C) unterteilt. Zum B-Komplex zählen die Vitamine B1, B2, B6, B12, Biotin, Nicotinsäure, Pantothensäure, Folsäure und Cholin.

Beim Pferd müssen die Vitamine A, D und E (bzw. deren Vorstufen) über das Futter verabreicht werden, das Vitmamin K wird im Dickdarm gebildet. Der Körper speichert die fettlöslichen Vitamine über Monate bis Jahre. Die wasserlöslichen Vitmamine kann der Körper dagegen nur in geringem Maße speichern (Ausnahme: Vit. B12). Sämtliche wasserlöslichen Vitmamine werden durch Eigensynthese im Darm hergestellt. Mängel treten meist durch Störungen der Darmflora auf (z.B. durch einseitige zu hohe Kraftfutterrationen oder nach Krankheiten/Antibiotikagabe).

Der exakte Vitaminbedarf des Pferdes ist noch nicht abschließend erforscht. Die in den Spalten angegebenen Werte sind nur teilweise experimentell wissenschaftlich gesichert. Der Vitaminbedarf hängt außerdem stark von der Nutzung und Belastung des Pferdes ab. Wichtige Faktoren sind auch Alter, Krankheiten und Jahreszeiten.

Vitamin A
schützt die Haut und schärft die Augen

Chemische Hauptverbindungen dieses fettlöslichen Vitamins ist das Retinol. Womit auf eine der wichtigsten Bedeutungen hingewiesen wird: Retina = Netzhaut des Auges.
In den äußeren Zellschichten der Haut und den Schleimhäuten entfaltet das Vitamin A seine Wirkungen. Es heißt deshalb auch "Epithelschutz-Vitamin" (Epithel = Haut).

Da sich Vitamin A vor allem in tierischen Nahrungsmitteln befindet (Innereien, Fisch), holt sich der Pflanzenfresser Pferd den Bedarf über die Vorstufe - die Karotinoide. Aus dieser Gruppe ist das ß-carotin das wichtigste Provitamin A. Es wird im Dünndarm zu Vitamin A umgewandelt. Aus 1 mg ß-carotin können Pferde etwa 400 IE (Internationale Einheiten) Vitamin A bilden. Vitamin A wird hauptsächlich in der Leber gespeichert, ß-carotin vermehrt in den Geschlechtsorganen, wo es die Hormonbildung unterstützt.

Vorkommen: Reines Vitamin A benötigt das Pferd über das Futter; ß-carotin dagegen in ausreichendem Maß in jungem Grünfutter (50 - 75 mg/kg), Heu (5 - 20 mg/kg) oder Karotten (50 - 60 mg/kg) enthalten. Dabei wandelt das Pferd nur so viel Vitamin A um, wie es benötigt. Eine Überversorgung ist dadurch ausgeschlossen.
Nicht so bei Fütterung von Vitamin A haltigen Zusatzmischungen. Hier sollten Höchstgrenzen unbedingt eingehalten und Überdosierungen vermieden werden.

Probleme im Winter

Im Winter sollten Sie ausreichend Grünmehle, Karotten oder Ergänzungsfutter zufüttern und folgende Empfehlungen einhalten. (Erhaltung/Arbeit):
Vit. A je 100 kg/LM:       7500 IE (600 kg Großpferd: 45000 IE)
bei einer tragenden bzw. laktierenden Stute steigt der Bedarf auf bis zu 90000 IE.
Unterversorgung: Länger bestehende Mängel führen zu brüchigem Hufhorn, Lahmheiten, Sehstörungen, Wachstumsstörungen und verminderter Fruchtbarkeit.

Überversorgung: Eine Überversorgung mit ß-carotin ist ausgeschlossen, längerfristig überhöhte Vitamin A-Dosierungen führen zu rauem Haarkleid, Störungen im Bewegungsablauf und allgemeiner Leistungsminderung. Eine Neigung zu Knochenbrüchigkeit wurden beim Pferd nicht beobachtet.

Vitamin D
das Sonnenschein-Vitamin

Pferde, die viel auf der Weide stehen, weisen so gut wie nie einen Vitamin D-Mangel auf. Der Grund: unter Sonneneintrahlung bilden sowohl Pflanzen als auch der Körper ausreichende Mengen dieses "Sonnen-Vitamins". Wobei zwei Vitamin-D-aktive Stoffe von besonderer Bedeutung sind: Vitamin D2, das in sonnengetrocknetem Heu am höchsten ist, sowie Vitamin D3, das durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird.

Vitamin D reguliert den Calcium-Phosphor-Stoffwechsel und trägt damit zum Aufbau kräftiger Knochen und gesunder Zähne bei. Dies sollte besonders bei stallgehaltenen Fohlen berücksichtigt werden, denen Sonnenlicht fehlt. eine mangelnde Mineralisation der Knochen kann hier die Folge sein. Pferde reagieren allerdings sehr empfindlich auf überhöhte Vitamin G-Gaben.
Einmalige Gaben sollten deshalb nicht mehr als das 20fache, längerfristige nicht mehr als das fünffache des Tagesbedarfs betragen.
Vorkommen: Hohe Gehalte finden in welkender Grassilage (60 - 80 IE/kg) und in sonnengetrocknetem Heu (500 - 1000 IE/kg). Steht letzteres nicht zur Verfügung, sollten aus Sicherheitsgründen Mindestmengen über Misch- oder Mineralfutter zugeführt werden.

Hohe Vitamin D-Gaben vermeiden!

Mangelerscheinungen kommen bei erwachsenen Pferden selten vor; bei Fohlen sowie hochtragenden und laktierenden Stuten den Bedarf verdoppeln.
Vit. D je 100 kg/LM:   500 IE
(600 kg Großpferd: 3000 IE
Unterversorgung: Kann bei Fohlen zu Rachitis (Skelettmängel) und Knochenschäden führen
Überversorgung: Pferde reagieren äußerst empfindlich auf zu hohe Vitamin D-Gaben; es können Appetitlosigkeit, Lahmheiten und Nierenversagen bis hin zu chronischen Schäden (Nieren- und Gefäßverkalkungen) auftreten.

Vitamin E
macht Jagd auf Radikale

Bei der Verbrennung von Nährstoffen entstehen aggressive Sauerstoffverbindungen, die den Zellen übel mitspielen können. Dies "freien Radikalen" greifen die Zellmembran an und zerstören Erbmaterial im Zellkern. Die Wirkformen des Vitamin E, die "Tocopherole", entschärfen diese reaktionsfreudigen Sauerstoffmoleküle und schützen so als "Antioxidantien" die Zellen vor Zerstörung.
Eine weitere wichtige Aufgabe: Vitamin E unterstützt den Zellstoffwechsel, insbesondere die Zellatmung. Damit beeinflusst Vitamin E die Struktur und Funktion verschiedener Gewebe - vor allem die Herz- und Skelettmuskulatur.
Vitamin E gehört zu den fettlöslichen Vitaminen und muss über das Futter zugeführt werden. Da es in ausreichendem Maß in frischem Grünfutter enthalten ist, gilt die Vitamin E-Versorgung bei Weidepferden gesichert. Allerdings können bei reiner Stallfütterung (bzw. im Winter) Mangelzustände auftreten. dies gilt auch bei der Fütterung von überaltertem Heu sowie bei überlagertem, gequetschtem und geschrotetem Hafer.
Vorkommen: Hervorragende Vitamin E-Quellen sind junges Grünfutter (25 - 80 mg/kg), Grünmehle (40 - 150 mg/kg) und Maiskeime (160 mg/kg) sowie Weizenkeim- und Leinöle (700 - 2000 mg/kg).

Bedarf steigt bei Leistung

Bei zunehmender Menge ungesättigter Fettsäuren im Futter (beispielsweise bei Kleien oder Fettzulagen) muss ebenso wie bei reiner Stallfütterung auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin E geachtet werden.
Vit. E je 100 kg/LM: 100 mg
(600 kg Großpferd 600 mg)
Bei Arbeit steigt der Bedarf auf das Doppelte, bei Hochleistung auf das Vierfache.
Unterversorgung: Mangelerscheinungen treten meist in Kombination mit einer Selen-Unterversorgung auf. Sie führen zu Muskeldegeneration (Herz- und Skelettmuskulatur), versteifter Rückenmuskulatur, Bewegungsstörungen (Verspannungen bis zur Lahmheit) und Leberschäden. Organische Schäden aufgrund eines Vitamin E-Mangels sind nicht mehr rückgängig zu machen.
Überversorgung: Probleme sind bisher nicht bekannt, allerdings sollten 2000 mg je 100 kg/LM nicht überschritten werden.

Komplex: die B-Vitamine

Nicotinsäure (Niacin)
Etwa die Hälfte seines Bedarfs an Nicotinsäure deckt der Körper aus chemischen Bestandteilen der essentiellen Aminosäuren Tryptophan. Nicotinsäure ist für die Energiegewinnung aus Kohlehydraten, Fetten und Proteinen notwendig. Sie unterstützt die Hautfunktion und erhält die Funktion von Verdauungs- und Nervensystem. Mängel äußern sich meist in Form von Durchfall, treten in der Praxis aber selten auf.
Pantothensäure
Als Baustein eines Coenzyms ist die Pantothensäure an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt, beispielsweise bei der Bildung langkettiger Fettsäuren oder dem Aufbau des roten Blutfarbstoffs. Pantothensäure ist in Futterpflanzen enthalten und wird normalerweise vom Pferd in ausreichendem Maß selbst hergestellt.
Folsäure
Immer wenn sich im Körper Zellen teilen, ist Folsäure als Enzymbaustein daran beteiligt. Ein Mangel, der zu Blutarmut und Leistungsschwäche führt, kann bei ausschließlicher Stallhaltung ohne Grünfütterung auftreten. Auf der Weide liegt die Folsäure-Aufnahme um fast das zehnfache höher als im Stall.
Cholin
Im Gegensatz zu sämtlichen anderen Vitaminen liegt der tägliche Bedarf an Cholin im Gramm Bereich. Deshalb wird Cholin oft nicht als Vitamin im klassischen Sinn geführt. Cholin ist eng mit dem Nährstoff Lecithin verwandt. Diese fetthaltige Substanz ist in vielen pflanzlichen Futtermitteln (vor allem in Weizenkeime und Soja) enthalten und zerfällt im Körper rasch zu Cholin. Es unterstützt vor allem die Fettstoffwechsel und die Leberfunktion.

"Empfohlene Tagesdosis"?

Bei der Ermittlung des Tagesbedarfes finden sich in der Fachliteratur bei den wasserlöslichen Vitaminen auf den ersten Blick verwirrende Angaben.
allerdings sind diese Angaben wissenschaftlich nicht nachgewiesen. So schreibt auch Prof. Meyer in seinem Standardwerk "Pferdefütterung" von "vorläufigen Erfahrungen" oder Schätzwerten. Ganz bewusst verzichten wir deshalb - ganz im Gegensatz zu den fettlöslichen Vitaminen - beim B-Komplex auf genaue Angaben.

Bitte beachten:
Bei schwerwiegenden Störungen oder Symptomen sollte jedoch immer der Tierarzt hinzugezogen werden!

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